Von KI-Experimenten zu echten Agenturprozessen

Zbynek Zapletal von Biggie über KI-Agenten, Automatisierung und das technische Know-how, das Agenturen künftig brauchen.

KI kann heute ganze Arbeitspakete übernehmen, Prototypen in kürzester Zeit entwickeln und neue Ideen wirtschaftlich möglich machen. Doch damit Agenturen dieses Potenzial konsequent nutzen können, müssen Wissen, Systeme und Qualitätsstandards zusammenspielen. Zbynek Zapletal (Biggie) von der LSA-Arbeitsgruppe «Technologie, KI & Automatisierung» erklärt, was es für den nächsten Schritt braucht.

13.10.2026

Welcher Einsatz von KI hat dich persönlich bisher am meisten überrascht oder deine Arbeitsweise am stärksten verändert?

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Mich überrascht vor allem, wie schnell sich die Möglichkeiten weiterentwickeln. Inzwischen kann ich ganze Arbeitspakete an KI übergeben. Ein erster Prototyp lässt sich teilweise schon im Kundengespräch entwickeln; klar umrissene Aufgaben können Agenten anschliessend weiterbearbeiten. Dadurch verschiebt sich meine Arbeit: Ich beschäftige mich stärker mit der Aufgabenstellung, den Entscheidungen und der Qualität des Ergebnisses. Besonders spannend finde ich, dass wir dadurch Ideen ausprobieren können, für die früher schlicht das Budget gefehlt hätte.

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Die meisten Agenturen nutzen KI bereits häufig oder durchgängig. Bei Agenten und Automatisierung sind es deutlich weniger. Was braucht es, um vom Experimentieren zur konsequenten Anwendung zu kommen?

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Das Wissen einer Agentur muss für KI nutzbar werden: Kundenkontext, bisherige Entscheidungen, Qualitätsmassstäbe. Wenn Mitarbeitende diese Informationen bei jeder Aufgabe neu zusammentragen müssen, bleibt viel Potenzial liegen. Dazu braucht es eine saubere Anbindung an die bestehenden Systeme und klare Befugnisse für die Agenten. An einem konkreten Kundenprozess lässt sich dann prüfen, ob das Zusammenspiel funktioniert und die Arbeit tatsächlich besser wird. Diese Entwicklung muss jemand verbindlich verantworten.

Die Arbeitsgruppe möchte nicht einfach weitere Tool-Demos anbieten, sondern Orientierung und Deep Dives schaffen. Welches KI-Wissen brauchen Agenturen aus deiner Sicht wirklich? Agenturen sollten verstehen, wie Modelle, Daten und Werkzeuge zusammenspielen. Dann können sie auch entscheiden, wann ein einfacher automatisierter Ablauf genügt und wann ein Agent sinnvoll ist. Ebenso wichtig ist, Qualität überprüfen zu können: Eine überzeugende Antwort kann sachlich falsch sein. Beim «Vibe Coding» kann eine Anwendung funktionieren und trotzdem unsichere Datenzugriffe haben. Dieses Urteilsvermögen braucht technisches Grundwissen und die Erfahrung der jeweiligen Fachleute.

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Welche Entwicklung rund um KI wird für Agenturen in den nächsten zwei bis drei Jahren besonders relevant – wird heute aber noch unterschätzt?

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Ich rechne damit, dass ein grösserer Teil der Markenwahl bereits im Gespräch mit einem KI-Assistenten stattfindet – bevor jemand eine Website besucht. Für Agenturen wird damit wichtig, ob eine Marke in diesen Antworten vorkommt, wie sie beschrieben wird und auf welchen Quellen das beruht. Das verbindet Markenführung, PR, Content und Search enger miteinander. Wir werden besser verstehen müssen, wie aus dieser Präsenz tatsächlich Nachfrage entsteht.

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Was möchtest du mit deinem Engagement in der LSA-Arbeitsgruppe konkret dazu beitragen, dass Mitgliedsagenturen technologisch am Ball bleiben?

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Mein Schwerpunkt ist die technische Umsetzung: KI-Infrastruktur, Agenten und Automatisierung. Ich möchte konkrete Lösungen so aufarbeiten, dass andere Agenturen nachvollziehen können, welche Voraussetzungen sie brauchen und wo ihre Grenzen liegen. Dazu gehören auch Erfahrungen mit Sicherheit und Qualität. Wenn wir solche Erkenntnisse offen teilen, können mehr Agenturen eigene Lösungen entwickeln und gegenüber Kunden fundiert beurteilen, was sinnvoll und machbar ist.

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